Forstliche Zukunft in Zeiten des Wandels

Das Jahr 2016 war ein weiteres Jahr in einer langen Folge welches wesentlich wärmer war als im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt des letzten Jahrhunderts. Die stetige Temperaturzunahme ist Zeichen eines sich wandelnden Klimas.

Als Holzproduzenten arbeiten Sie mit einem Produkt welches 100 bis 200 Jahre Produktionszeit benötigt. Kein anderer Wirtschaftszweig ist durch so lange Produktionszeiten gefordert, es handelt sich um die längste Lieferzeit der Welt.

Bei solchen Vorlaufzeiten gibt es neben wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen viele weitere Faktoren die die Holzproduktion vom Auspflanzen bis zur Ernte beeinflussen. Wetter und Klima haben dabei sicher den unmittelbarsten Einfluss auf den Wald. Von allen Einflussgrößen gehorcht zumindest die Atmosphäre physikalischen Grundsätzen. Damit ist das Klima im Unterschied zu den anderen Parametern das einzige für das seriöse Zukunftsszenarien errechenbar sind.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer…

…viele Schwalben sind allerdings ein sicheres Indiz dafür, dass die warme Jahreszeit angebrochen ist. Genauso verhält es sich auch beim Klima. Einzelne zu warme Jahre sind noch kein Hinweis auf eine Änderung der klimatischen Verhältnisse. Wenn sich deren Anzahl allerdings häuft und ein eindeutiger Trend ersichtlich wird, dann muss man von einer Änderung des Klimas sprechen. Am Beispiel der Temperatur wird diese klimatische Änderung sehr eindrucksvoll offenbar.

Abb 1 Abweichungen im Vergleich zum Klimamittel des 20. Jahrhunderts. Deutlich sichtbar der Trend zu wärmeren Temperaturen. Quelle: ZAMG

In der Abbildung 1 sind die Temperatur Anomalien in Österreich seit 1768 dargestellt. Klar ersichtlich ist, dass seit mehr als 15 Jahren kein einziges Jahr mehr auftrat in dem es kühler als im Durchschnitt des vergangenen Jahrhunderts war. Steigt die Mitteltemperatur bedeutet das in weiterer Folge auch höhere Extremtemperaturen, also Hitzewellen und Dürren.

Diese Änderungen lassen sich aber nicht nur messen und anhand von langen Zeitreihen belegen sondern sind auch in der Natur deutlich sichtbar. Der zum Teil dramatische Rückzug von Gletschern, die Einwanderung neuer Tier- und Pflanzenarten oder das Verschieben der Baumgrenze nach oben sind nur einige davon. Als aufmerksamer Naturbeobachter werden Sie feststellen, dass mittlerweile Austrieb, Blüte oder Fruchtreife um bis zu zwei Wochen früher beobachtbar sind als in der Vergleichsperiode 1961 bis 1990. Das sind Änderungen die direkt die Land- und Forstwirtschaf betreffen.

Klimawandel und Wald

Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald als Ökosystem sind vielfältig. So hat das Jahr 2015 deutlich gezeigt wie verwundbar der Wald bei Hitze und Trockenheit ist. Mit der Aufarbeitung der Schäden die durch Borkenkäfer verursacht wurden, waren Land- und Forstwirte auch 2016 noch intensiv beschäftigt. Die durch den Klimawandel verlängerte Vegetationsperiode könnte in Zukunft einen zusätzlichen Entwicklungszyklus des Borkenkäfers ermöglichen und damit den Druck auf unseren Wald weiter erhöhen.

Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf halten und damit steigt auch das Potential für Starkregenereignisse und extreme Gewitter. Die Folgen sind u.a. ab- und ausgeschwemmte Wege sowie lokal schwere Sturmschäden.

Mit Hitze und Trockenheit häufen sich auch die Waldbrände in unseren Breiten. Wie eine Analyse des Instituts für Waldbau der BOKU in Wien zeigt hat die Anzahl von Waldbränden in den letzten Jahren in Österreich zugenommen wobei im Rekordjahr 2015 rund 280 Brände registriert wurden (Abbildung 2).

Abb 2 Zunahme der Anzahl an Waldbränden in Österreich. Der bisherige Rekord wurde im Jahr 2015 verzeichnet. Quelle: Institut für Waldbau BOKU, eigene Darstellung

Höhere Temperaturen beschränken sich nicht nur auf die Vegetationsperiode, auch im Winterhalbjahr sind die Auswirkungen klimatischer Veränderungen deutlich sichtbar. So gab es in den letzten Jahren im Flachland deutlich weniger Perioden mit Schnee oder Frost in denen die Waldarbeit gut, sicher und sauber erledigt werden konnte. Wege sind oft nicht befahrbar und die Holzbringung ist kaum oder nur erschwert durchführbar. Klimaszenarien zeigen, dass die Anzahl an Eistagen (Tage an denen das Temperaturmaximum unter 0°C liegt) bis zum Jahr 2100 im Flachland um bis zu 70% zurückgehen wird.

Mit den milden Wintern geht natürlich auch ein geringerer Wärmebedarf einher. Bis zum Ende des Jahrhunderts wird mit einem Rückgang des Heizbedarfs in Österreich um rund 25% gerechnet. Biomasseheizwerke haben jetzt schon in manchen Jahren einen deutlich geringeren Bedarf an Hackgut und das regionale Angebot übersteigt oft die Nachfrage.

Jetzt!

Die Veränderungen des Klimas sind wissenschaftlich sehr gut abgesichert und die Szenarien für die Zukunft dienen bereits vielen Unternehmen als Entscheidungsgrundlage.

Die Forstwirtschaft mit dem einzigartigen Produkt „Holz“ ist wie keine andere Branche gefordert Entwicklungen der nächsten 100 oder 200 Jahren soweit wie möglich in ihrer Planung zu berücksichtigen. Der gesamte Produktionsprozess findet unter freiem Himmel statt und kann nicht vor den Veränderungen der Umwelt abgeschirmt werden.

Die Chance der Forstwirtschaft liegt in der Anpassung an die sich ändernden Rahmenbedingungen. Wenn der Waldbestand bereits durch Hitze, Trockenheit, Schädlinge, Stürme oder Waldbrände geschädigt ist, dann wird man zum Getriebenen der reagieren muss. Wirtschaftlich erfolgreich ist derjenige, der in Zeiten der Stabilität mit Anpassungsmaßnahmen beginnt und nicht erst dann wenn Veränderungen unausweichlich sind.

Anpassung beginnt bei der aktiven Bewirtschaftung des aktuellen Waldbestandes, betrifft die Auswahl zukünftiger Baumarten, geht über Fragen der Infrastruktur im Wald bis hin zur Nutzung und Verwertung des produzierten Holzes. Anpassung hat viele Facetten. Egal wo Sie damit beginnen, der beste Zeitpunkt um Maßnahmen der Anpassung zu ergreifen ist jetzt.

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